Gesundheitswochen

Themenwochen: Starke Zentren fĂŒr einen gesunden Darm

30.11.2016

Das Klinikum Mutterhaus der BorromĂ€erinnen arbeitet ĂŒber Abteilungen hinweg Hand in Hand fĂŒr ein Mehr an Darmgesundheit

Entscheidungen können „Bauchschmerzen“ verursachen, unschöne Ereignisse „auf den Magen schlagen“. Viele Menschen haben „Schiss“ vor PrĂŒfungen, nicht wenige verbringen dann viel Zeit auf der Toilette. Die deutsche Sprache ist reich an Redewendungen, welche die Bedeutung der Psyche fĂŒr die Verdauungsorgane spiegeln. Auch umgekehrt gilt: Gerade Darmleiden können psychische Erkrankungen nach sich ziehen. Bisweilen mĂŒndet das Ganze auch in einem Teufelskreis.

Diesen zu durchbrechen widmen sich im Klinikum Mutterhaus der BorromĂ€erinnen Mediziner und PflegekrĂ€fte zahlreicher Abteilungen. Psychologen sind ebenso in die ganzheitliche Behandlung der Patienten eingebunden, und auch die Klinikgastronomie ist mit von der Partie. Das Mutterhaus verfĂŒgt mit dem Darmzentrum zur Behandlung und Vorsorge bösartiger Darm- und Enddarmerkrankungen sowie dem Kompetenzzentrum fĂŒr chirurgische Koloproktologie gleich ĂŒber zwei zertifizierte Einrichtungen, in denen Expertise und Erfahrungen gebĂŒndelt werden. „Das ist eine besondere StĂ€rke von uns, dass wir interdisziplinĂ€r intensiv zusammenarbeiten und der Patient immer die fĂŒr ihn optimale Diagnostik und Therapie erhĂ€lt“, sagt Dipl.-Kaufmann Jörg Mehr, GeschĂ€ftsfĂŒhrer des Klinikums.
Die Leiden, die behandelt werden, sind so unterschiedlich, wie die Patienten: Sie reichen von psychosomatischen Beschwerden bis zu bösartigen Erkrankungen, betreffen Kleinkinder und Hochbetagte. Auch gibt es Menschen, die im eigentlichen Sinne nicht „krank“ wurden, weil sie rechtzeitig bei Dr. Erwin Rambusch und seinem Team vorstellig wurden. Der Leiter der Gastroenterologie und stellvertretende Leiter des Darmzentrums hat eine SchlĂŒsselfunktion inne. Denn nur beim Darmkrebs ist wirkliche Vorsorge möglich, denn nur bei diesem gehen in der Mehrzahl der FĂ€lle gutartige Wucherungen einem Tumor voraus. Diese sogenannten Polypen lassen sich im Zuge einer Darmspiegelung erkennen und meist problemlos entfernen.

Dennoch meiden viele Menschen die von den Kassen ab dem 55. Lebensjahr empfohlenen Vorsorgeuntersuchungen, weshalb jĂ€hrlich noch etwa 62.000 Menschen an Dick- oder Mastdarmkrebs erkranken. Rambusch und Privatdozent Dr. Thomas Zimmer, Facharzt fĂŒr Gastroenterologie und Konsiliararzt im Klinikum Mutterhaus Ehrang, raten, nicht erst bei Blut im Stuhl den Arzt aufzusuchen. Da Darmkrebs ĂŒber viele Jahre entsteht und erst spĂ€t Symptome zeigt, sollte jeder die Vorsorge nutzen, so die klare Ansage der beiden Mediziner.

Blieb es nicht bei einem Polypen und wurde ein Tumor diagnostiziert, ist die Behandlung in jedem Fall belastender und langwieriger. Dann sind die Teams von Dr. Mahlberg und Professor Dr. Pan Decker gefragt. Decker, Chefarzt der Chirurgie 1 und Leiter des Darmzentrums und seine Kollegen entfernen die Tumore und gehen hierbei radikal vor. Denn Ziel ist es, den Krebs restlos zu entfernen, damit dieser nicht mehr wuchert und streut. Haben sich schon Metastasen in Lunge oder Leber gebildet, lassen sich diese oft noch entfernen. Mitentscheidend fĂŒr den Behandlungserfolg ist die Erfahrung des Chirurgen: Untersuchungen belegen, dass es einen erheblichen Unterschied fĂŒr das lĂ€ngere Überleben des Patienten macht, ob ein erfahrener oder ein eher wenig versierter Chirurg die OP durchfĂŒhrt.

HĂ€ufig ist auch eine Kombination von Behandlungen notwendig: neben der Chirurgie die Chemo- und Strahlentherapie sowie zunehmend die individualisierte und zielgerichtete Therapie mit Antikörpern. Welcher Behandlungspfad eingeschlagen wird, entscheidet die tĂ€glich tagende Tumorkonferenz. „Wir schauen uns gemeinsam mit den Kollegen anderer Abteilungen, etwa der Chirurgie oder Strahlentherapie, jeden Patienten an und beratschlagen gemeinschaftlich, welches die fĂŒr ihn optimale Therapie ist“, berichtet Chefarzt Mahlberg.

WĂ€hrend Tumorerkrankungen des Darms bei Kindern selten sind, zeigen sich bei jungen Patienten schon andere schwerwiegende Leiden, berichtet Privatdozent Dr. Wolfgang Thomas, Chefarzt der Kinder- und Jugendmedizin. So sind auch Kinder und Jugendliche von Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa betroffen. Symptome dieser chronisch-entzĂŒndlichen Darmerkrankungen, welche die LebensqualitĂ€t merklich beeintrĂ€chtigen, sind starke, oft krampfartige Bauchschmerzen und heftige, oft blutige DurchfĂ€lle.

Morbus Crohn und Colitis ulcerosa lassen sich zwar nicht heilen, doch lindern. Eine frĂŒhzeitige Diagnose ist vonnöten, um die Erkrankung unter Kontrolle zu halten, sagt Dr. Thomas. Dank feinster Endoskope kann Dr. Rambusch auch bei jungen Patienten chronisch-entzĂŒndliche Darmerkrankungen diagnostizieren. Wird rechtzeitig mit Medikamenten oder einer speziellen ErnĂ€hrungstherapie gegengesteuert, lassen sich körperliche und seelische Entwicklungsverzögerungen weitgehend vermeiden. Nicht selten geht mit der Erkrankung auch eine Stigmatisierung einher, da mit ihr schambehaftete Beschwerden wie hĂ€ufiger Stuhldrang verbunden sind. Viele Betroffene entwickeln soziale Ängste bis hin zu Depressionen.

Bisweilen bilden Depressionen oder andere psychische Leiden auch die Ursache einer Darmerkrankung, wenn auch nicht bei Krebs oder Morbus Crohn. Brigitte Bogdanski, Leitende Diplom-Psychologin und Psychologische Psychotherapeutin der Inneren Medizin 2 betont, dass vor der Diagnose einer psychosomatischen Erkrankung der definitive Ausschluss einer organischen Ursache steht. Ist dies gegeben, gehen Bogdanski und ihre Kollegen den tieferen Ursachen auf den Grund und unterstĂŒtzen den Patienten dabei, Wege aus fatalen Denkmustern zu finden und vermeintlich entlastende Verhaltensweisen wie das Vermeiden Angst auslösender Situationen zu verĂ€ndern. Ist die Behandlung nach einem mehrwöchigen Aufenthalt noch nicht abgeschlossen, folgt eine ambulante Therapie bei niedergelassenen Therapeuten, oder aber die Überweisung in eine psychosomatische Fachklinik.

Auch fĂŒr die Klinikgastronomie spielt das Thema Darmgesundheit eine wichtige Rolle. So wird seit 2013 mit dem „Mutterhaus-VitalmenĂŒâ€œ eine besondere ErgĂ€nzung des Speiseplans angeboten. „Als Grundlage dient die mediterrane KĂŒche, die wir mit ballaststoffreichen Produkten ergĂ€nzen, um so eine vollwertige ErnĂ€hrung zu erreichen, die alle BedĂŒrfnisse abdeckt. Außerdem verwenden wir wann immer möglich frische und saisonale Produkte aus der Region und verzichten vollstĂ€ndig auf Farb-, Geschmacks-, Zusatz- und Konservierungsstoffe“, berichtet Armin Schmitt, Leiter der Klinikgastronomie. Besucher und Patienten des Klinikums profitieren gleichermaßen von der gesunden Kost. Wo nach einer OP oder infolge einer ErnĂ€hrungstherapie eine besondere Mahlzeit verlangt wird, erhĂ€lt der Patient einen individuell auf ihn zugeschnittenen Speiseplan.

Nicht wenige Patienten suchen nach ihrem stationĂ€ren Aufenthalt noch eine Selbsthilfegruppe auf. Die Diplom-PĂ€dagogin Elke Thees von der Selbsthilfekontakt- und Informationsstelle (SEKIS), nennt den wesentlichen Vorzug dieser Gruppen: „Dort treffen die Patienten auf Menschen, die ohne große Worte verstehen, wie sie sich fĂŒhlen und was ihnen im Alltag Probleme bereitet.“ Die „Betroffenenkompetenz“ sei fĂŒr viele Erkrankte und auch Angehörige sehr hilfreich.

Das sehen Mediziner wie Dr. Mahlberg Ă€hnlich: „Selbsthilfegruppen haben fĂŒr uns einen hohen Stellenwert, weil sie Hilfestellungen und Informationen bieten, die wir im klinischen Alltag und erst recht nach der Entlassung des Patienten gar nicht leisten könnten“, lobt der Internist.

Das erwartet Sie in den Gesundheitswochen

Die Themenserie in der Tagezeitung und online:

Freitag, 18.03.2016: EntzĂŒndliche Darmerkrankungen und Reizdarm bei Kindern und Erwachsenen
Donnerstag, 24.03.2016: Operative Therapie von Darmkrebs
Freitag, 01.04.2016: Keine Angst vor der Darmspiegelung