Gesundheitswochen

Gesundheit geht durch Magen und Darm: Das Klinikum Mutterhaus erklÀrt die modernen Methoden der Gastroenterologie und stellt die Klinikgastronomie vor.

18.11.2016

Magen und Darm sind hochsensible Organe: Sie haben ein eigenes Innenleben. Wenn ihnen etwas nicht passt, dann macht sich das schnell bemerkbar. Dies fĂ€ngt bei Übelkeit an und endet bei GeschwĂŒren in den Organen.

Im Rahmen der TV-Gesundheitswochen „Der gesunde Darm“ hatten Interessierte die Möglichkeit, die Bereiche des Krankenhauses kennenzulernen, in denen Magen und Darm behandelt werden – dazu gehört natĂŒrlich auch die Klinikgastronomie.

Viele Speisen, große Verantwortung

Die AbendfĂŒhrung beginnt in der KĂŒche des Klinikums: Es wird bereits geputzt und die Lebensmittel sind in den KĂŒhl- und VorratsrĂ€umen verstaut. „Normalerweise dĂŒrfen nur Mitarbeiter die KĂŒche betreten. Heute machen wir eine Ausnahme“, erklĂ€rt die DiĂ€tassistentin Ute Heinrich. Bei den Hygienemaßnahmen wird allerdings kein Auge zugedrĂŒckt und die neun Teilnehmer mĂŒssen Schutzkittel und SchuhĂŒberzĂŒge anziehen. Dann werden die HĂ€nde desinfiziert und „das darf ruhig tropfen“, scherzt Ute Heinrich zwar, aber meint es ernst: Hygiene muss hier höchste PrioritĂ€t haben. Denn tĂ€glich werden von den 70 Mitarbeitern ĂŒber 1200 Essen zubereitet. Patienten, GĂ€ste der Cafeteria, Klinikpersonal und auch die Erwachsenenpsychiatrie werden tĂ€glich mit Essen versorgt.

Frisch, vital und regional

Gekocht wird frisch: Der regionale Metzger liefert frisches Fleisch, der hiesige BĂ€cker bringt das Brot und ein Großlogistiker fĂŒllt die VorrĂ€te zweimal pro Woche auf. Damit die Frische erhalten bleibt, arbeitet man mit elektronischen GerĂ€ten, die genau getimt und temperiert werden können. Der Dampfgarer ist beispielsweise vitaminschonend und schnell. „So können große Mengen an GemĂŒse, wie zum Beispiel Brokkoli innerhalb von wenigen Sekunden nachgegart werden“, erzĂ€hlt die DiĂ€tassistentin. Hinzu kommt die strukturierte Organisation: Wenn am Verteilband das Patientenessen angerichtet wird, bekommen die Mitarbeiter eigene Posten zugeteilt, etwa fĂŒr Suppe oder Vegetarisches. Damit alles schön warm bleibt, wird das MenĂŒ auf speziellen Tellern angerichtet und auf Station nochmal kurz erhitzt. Dass ein Koch verliebt und die Suppe daher versalzen sei, komme nicht vor, scherzt die DiĂ€tassistentin. Denn ihre Aufgabe ist es, das gesamte Tagesessen zu verkosten – nicht zuletzt, weil der Geschmacksinn der Patienten durch die Medikation sensibel ist. FĂŒr mögliche RĂŒckfragen zum Essen werden zudem jedes Mal zwei Proben genommen. Und auch fĂŒr die Mengenplanung der Mahlzeiten sind die DiĂ€tassistentinnen zustĂ€ndig: Wenn sie die Patienten nach EssenswĂŒnschen fĂŒr den Folgetag befragen, berechnet das System, wie viel Kilogramm Möhren gekocht werden mĂŒssen. Außerdem planen sie DiĂ€tkost fĂŒr Allergiker ebenso wie MenĂŒs fĂŒr die vielen unvorhersehbaren ZugĂ€nge ein.

Besondere Vorrichtung fĂŒr besondere Patienten

Doch nicht jeder kann eigenmÀchtig durch die ErnÀhrung seine Gesundheit beeinflussen. Adipositas-Patien-
ten leiden unter schwerem Übergewicht und benötigen besondere medizinische UnterstĂŒtzung: Bluthochdruck, Gelenkverschleiß und Stoffwechselstörungen sind nur einige der Folgeerkrankungen. Operative Eingriffe sind daher unerlĂ€sslich, dafĂŒr gibt es im Klinikum besondere Operationstische. So können beispielsweise Magenverkleinerungen durchgefĂŒhrt werden. Und auf der interdisziplinĂ€ren Station des Klinikums gibt es spezielle Zimmer fĂŒr diese Patienten, erklĂ€rt Pflegedienstleiter Rudolf Drautzburg. Die Betten sind breiter, können mehr Gewicht tragen und spezielle Halterungen und Griffe erleichtern die Pflege.

Gastroenterologie

Anschließend geht es auf die Ebene 01 des Klinikums: die Endoskopie. In insgesamt vier Zimmern werden neben Magen und Darm auch Lunge, Leber, Speiseröhre, BauchspeicheldrĂŒse sowie die Gallenblase untersucht. Dabei kommen sonografische und auch modernste endoskopische Vorrichtungen zum Einsatz. Rudolf Drautzburg demonstriert die Koloskope ganz praktisch: Der dĂŒnne Schlauch ist mit Licht und Kamera ausgestattet und kann so in die GĂ€nge der Organe eingefĂŒhrt werden. Was er sieht, wird vergrĂ¶ĂŸert auf einen Bildschirm ĂŒbertragen. In diesen Schlauch kann man wiederum ein weiteres GerĂ€t einfĂ€deln – einen Draht, dessen Spitze eine kleine Zange bildet. „Damit kann der Arzt beispielsweise Polypen direkt entfernen, wenn er sie entdeckt“, so Drautzburg. Die DĂŒnndarmkapsel ermöglicht die Betrachtung des sonst schwer erreichbaren Organs. Sie ist mit einer Kamera ausgestattet und sobald sie ausgeschieden wird, können die Aufnahmen aus dem Inneren des DĂŒnndarms ausgewertet werden. An dieser Stelle kommt die Frage auf, ob dies nicht schmerzhaft sei. Doch diese Sorge ist heutzutage unberechtigt. Das Schlucken der Kapsel ist schmerzfrei und bei der ĂŒblichen Darmspiegelung werden die Patienten mit einer Sedierung beruhigt und bekommen vom eigentlichen Vorgang nichts mit. FĂŒr die Vorsorge gilt generell: Kontrolle ist das A und O. Wenn man Beschwerden hat, ist es meist zu spĂ€t.

Und danach?

Da ein operativer Eingriff den menschlichen Körper belastet, gibt es zur Mobilisation im Klinikum ein Team an Physiotherapeuten. Ob in Gruppen- oder EinzelĂŒbungen, sie schulen Patienten in ihren BewegungsablĂ€ufen. Die modernen GerĂ€te im großen Fitnessraum sind mit neuester Technik ausgestattet und steuern ĂŒber Monitore das Bewegungsprogramm: So wird etwa der optimale Pulswert fĂŒr ein effektives Training automatisch und ganz individuell berechnet. Doch statt eines sportlichen Abschlusses im Trainingsraum hat die KĂŒche ein kleines kulinarisches Abschlussessen in der Cafeteria fĂŒr die Teilnehmer vorbereitet. Diese zeigen sich nach gut zwei Stunden im Klinikum noch genauso interessiert am Thema wie zuvor, nur besser informiert: „Wann hat man sonst die Möglichkeit, in diesen großen Komplex hineinzuschauen, hinter die Kulissen zu blicken und vielleicht noch eine private Frage zu stellen?“