Gesundheitswochen

Adipositas erhöht das Krebsrisiko

28.12.2014

Warum eine gesunde ErnÀhrung und ausreichend Bewegung so wichtig sind

Dass Übergewicht und Fettleibigkeit Herz-und Kreislauferkrankungen begĂŒnstigen, ist bekannt. Dass sie auch ein erheblich erhöhtes Risiko nach sich ziehen können, an einem Karzinom zu erkranken, hat sich im kollektiven Bewusstsein der BundesbĂŒrger noch nicht festgesetzt. „Das hat auch damit zu tun, dass wir gerade in den letzten Jahren viele neue Erkenntnisse darĂŒber gewonnen haben, inwiefern Übergewicht und Adipositas einen Einfluss auf das Erkrankungsrisiko bei Krebs haben“, erlĂ€utert Professor Dr. med. Dorothee Decker, Leiterin des zertifizierten interdisziplinĂ€ren Adipositaszentrums und OberĂ€rztin der Chirurgie 1 am Klinikum Mutterhaus der BorromĂ€erinnen.

Ob man an Übergewicht oder sogar Fettleibigkeit leidet, lĂ€sst sich anhand des Body-Mass-Index ermessen. Der berechnet sich aus dem Körpergewicht in Kilogramm dividiert durch die KörpergrĂ¶ĂŸe in Meter zum Quadrat. Was ein möglichst gĂŒnstiger BMI ist, hĂ€ngt unter anderem auch vom jeweiligen Alter ab, doch generell gilt: Zwischen 25 und 30 kg/m2 bewegt man sich im Übergewicht, ab 30 aufwĂ€rts wird es adipös. Mehrere Studien haben nun ergeben, dass eine Erhöhung des BMI um 5 Kilogramm pro Quadratmeter das Risiko, an Dickdarmkrebs zu erkranken, um rund 18 Prozent erhöht.

„Die Studien zeigen auch, dass nicht nur das reine Gewicht und der Bodymassindex fĂŒr das Risiko an Krebs zu erkranken eine Rolle spielen“, betont Professor Dr. med. Dorothee Decker und ergĂ€nzt: „Die wissenschaftlichen Daten zeigen, dass das Risiko Krebs zu entwickeln auch wesentlich von der Körperfettverteilung abhĂ€ngt.“ Als besonderer Risikofaktor ist dabei das Bauchfett anzusehen und hierbei weniger die Ă€ußere denn die tiefer im Bauchraum liegende Fettschicht. Daher sind MĂ€nner bei bestimmten Tumorarten hĂ€ufiger betroffen als Frauen. Der Grund: Diese legen meist im Taillenbereich an Gewicht zu, entwickeln also den sogenannten „Bierbauch“. Das an der HĂŒfte lokalisierte Fett wird als etwas weniger gefĂ€hrlich eingeschĂ€tzt.

Aber es besteht kein Zweifel: Übergewicht und erst recht Adipositas erhöhen die Wahrscheinlichkeit, an Krebs zu erkranken! Und diese Feststellung betrifft lĂ€ngst nicht nur den Dickdarmkrebs, sondern gilt fĂŒr eine ganze Reihe von Tumorarten. Professor Dr. med. Dorothee Decker listet auf: GebĂ€rmutterkörperkrebs, Nierenzellkrebs, bestimmte Arten des Speiseröhrenkrebses, BauchspeicheldrĂŒsentumore und auch der Brustkrebs, der im Klimakterium auftritt. Bei all diesen bösartigen Erkrankungen besteht nach heutigem Stand der Forschung ein offenkundiger Zusammenhang mit dem gerade in IndustrielĂ€ndern wie Deutschland hĂ€ufig auftretenden PhĂ€nomen der ÜberernĂ€hrung.

Beispiel Darmkrebs: Bei Übergewichtigen ist der Insulinanteil im Blut erhöht. Dies hat unter anderem zur Folge, dass der natĂŒrliche Zelltod unterdrĂŒckt wird und sich Krebszellen schneller entwickeln können. Ein weiterer Grund, der eine Tumorerkrankung begĂŒnstigen kann: Im Fettgewebe finden nicht selten EntzĂŒndungsprozesse statt, die wiederum Darmkrebs begĂŒnstigen können. Beim Brustkrebs nach der Menopause wird derzeit diskutiert, dass infolge einer Adipositas die Östrogenkonzentration im Blut erhöht ist, in einer Phase, in der der Hormonspiegel eigentlich absinken mĂŒsste. Auch das kann zu einer verstĂ€rkten Zellteilung im Brustgewebe und damit zu Krebs fĂŒhren. Die exakten Mechanismen sind jedoch noch nicht erforscht.

Wird bei einem ĂŒbergewichtigen oder gar adipösen Patienten ein Tumor festgestellt, kommt noch ein wesentlicher Faktor hinzu: „ Das operative Risiko der adipösen Patienten ist im Vergleich zu den Normalgewichtigen erhöht, da diese Menschen oft weitere Begleiterkrankungen haben, die den operativen Eingriff beeinflussen“, erlĂ€utert Professor Dr. med. Dorothee Decker. In jedem Fall sei es ratsam, mit einer gesunden ErnĂ€hrung und ausreichender und regelmĂ€ĂŸiger Bewegung diesen Risiken entgegenzuwirken, empfiehlt die Leiterin des Adipositaszentrums.

Die Ursachen von Übergewicht und Adipositas sind vielfĂ€lltig. Erbliche Faktoren sind nur in sehr seltenen FĂ€llen der alleinige Grund fĂŒr Übergewicht. Ob man zu viel auf den Rippen hat, hat der Mensch in den frĂŒhen Stadien der Übergewichtigkeit oftmals selbst in der Hand und kann dies durch Bewusstseinswandel und VerhaltensĂ€nderung wesentlich beeinflussen. Hat sich eine krankhafte Adipositas entwickelt, so ist eine langfristige Gewichtsabnahme auf konservativem Wege nur noch in seltenen FĂ€llen erfolgreich. Hier hilft nur eine operative Therapie.

Unterdessen rĂ€t Professor Dr. med. Dorothee Decker Eltern, auch das Gewicht und den BMI ihrer SchĂŒtzlinge im Auge zu behalten. JĂŒngere Untersuchungen deuten darauf hin, dass Übergewicht und Adipositas im Kindes- und Jugendalter auch dann eine spĂ€tere Erkrankung begĂŒnstigen können, wenn derselbe Mensch im Erwachsenenalter zu einem normalen und stabilen Gewicht gefunden hat.