Gesundheitswochen

Yoga und Krebs

27.12.2014

Ängste, Panikattacken und ErschöpfungszustĂ€nde sind Begleiterscheinungen, die mit einer Krebserkrankung einhergehen können. Furcht vor dem Ergebnis einer Untersuchung, Beklemmung bei der Strahlentherapie – diese und weitere Erfahrungen durchleben viele Patienten. Doch dank Yoga gibt es Wege, sich zu entspannen und Körper und Geist zu aktivieren, weiß Judith Knob, Diplom-Sportlehrerin  und Mitarbeiterin im Klinikum Mutterhaus der BorromĂ€erinnen.

Der Begriff Yoga kommt aus dem Sanskrit, sprich dem Alt-Indischen, und bedeutet wörtlich ĂŒbersetzt „anjochen“. SinngemĂ€ĂŸ ist von „verbinden“ die Rede. Yoga besteht aus den drei SĂ€ulen Atmung, Bewegung und Meditation und wirkt durch diesen Synergieeffekt auch auf allen Ebenen, stellt also eine Verbindung zwischen Körper, Geist und Seele her. Zudem wirkt Yoga auf das vegetative Nervensystem, den Parasympathikus, und aktiviert den Vagusnerv, der wie ein Bremspedal im Körper funktioniert und Herzschlag, Muskelspannung und sogar EntzĂŒndungsreaktionen abbremst.

Dass Bewegung bei Krebs einen prĂ€ventiven und therapeutischen Nutzen hat, wurde in etlichen Studien belegt. Weil Bewegung AktivitĂ€t bedeutet, kann sie Patienten aus ihrer PassivitĂ€t befreien. Das GefĂŒhl, der Krankheit ausgeliefert zu sein, schwindet zugunsten psychischer StĂ€rke und verleiht SelbstheilungskrĂ€ften neuen Auftrieb.

Yoga bietet sich bei Krebspatienten besonders an, „weil wir sehr sanft und mit vielen Hilfsmitteln arbeiten können“, erklĂ€rt Judith Knob. Frisch operierte Patienten oder solche, die sich einer Chemotherapie unterziehen, sind in punkto Beweglichkeit und körperlicher Verfassung meist deutlich beeintrĂ€chtigt. „Beim Yoga tritt der Leistungsgedanke und der Vergleich mit anderen völlig in den Hintergrund. Das ist ein Vorteil, zumal Yoga auch tiefer wirkt als herkömmlicher Sport, weil es auch die GefĂŒhlsebene anspricht“.

Beim körperbetonten Hatha-Yoga finden bewusste Atemtechniken ihren Einsatz. Wir lernen Pranayama, das heißt, unseren Atem zu kontrollieren. Der Atem dient als Bindeglied zwischen geistigen und körperlichen Prozessen. So lĂ€sst sich innere StabilitĂ€t erzeugen, Ruhe stellt sich ein. „Ein wesentlicher Vorzug ist, dass wir unseren Atem immer mitnehmen und gerade diese Technik in akuten Situationen helfen kann, etwa wenn dem Patienten eine Untersuchung bevorsteht, vor der er Angst hat“, berichtet Judith Knob.

Eine weitere Technik können FingeryogaĂŒbungen („Mudras“) sein. Diese energetisierenden Handhaltungen werden bei Übungen und Meditationen eingesetzt. Sie können als „Notfallapotheke““auch in schwierigsten Krankheitsphasen – im Bett oder sitzend – je nach Bedarf gegen Unruhe oder zur Aktivierung eingenommen werden und sprichwörtlich ‚Halt geben‘.

Welche körperlichen Prozesse Yoga auszulösen vermag, zeigen Studien. Beispielsweise wenn es um die StĂ€rkung der Knochen geht: Hier kann Yoga bei Patienten, die sich einer Hormonbehandlung unterziehen, eine prĂ€ventive Wirkung entfalten, da die Knochenstabilisierung einer Osteoporose vorbeugt. Untersuchungen ergaben außerdem, dass Yoga hilft, den Pegel des Stresshormons Cortisol zu senken. Das wiederum kann bei einer Depression, wie sie nicht wenige Patienten im Zuge von Diagnose und Therapie entwickeln, lindernd wirken. Selbiges gilt fĂŒr die Beobachtung, dass dank Yoga der fĂŒr GlĂŒcksgefĂŒhle verantwortliche Serotoninspiegel steigt. Eine weitere Erkenntnis: Die HĂ€ufigkeit des Fatigue-Syndroms, also der chronischen MĂŒdigkeit, wie sie im Nachgang einer Chemotherapie auftreten kann, nimmt ab.

FĂŒr Judith Knob, die seit 2006 Yoga unterrichtet, besteht kein Zweifel an den vielseitigen Wirkungen der Jahrtausende alten Techniken: „Wenn der Mensch einmal erfahren hat, dass er sich fĂŒr einen Moment wieder gesund und heil fĂŒhlen darf, fĂŒhrt das bei ihm zu einer gewissen Leichtigkeit. Es ist gerade bei Krebs wichtig, das Vertrauen in den eigenen Körper wieder zu stĂ€rken, und mithilfe von Yoga können wir sehr individuell auf die Patienten eingehen“. Zum Beispiel auf die Brustkrebs-Patientinnen: Yoga hilft, den Lymphfluss zu verbessern, was gerade fĂŒr Frauen wichtig ist, bei denen ein Teil der Lymphknoten entfernt werden musste.

Doch Yoga kann auch prĂ€ventiv wirken, geht es im Kern doch darum, die Achtsamkeit fĂŒr sich selbst zu erhöhen. „Indem wir unsere Gelenke dehnen, dehnen wir unser Bewusstsein“, weiß die Expertin. Wir sensibilisieren Körper und Geist dafĂŒr, frĂŒhzeitiger eigene Grenzen zu spĂŒren und Warnsignale wahrzunehmen. Auch das beugt möglichen Erkrankungen vor.