Gesundheitswochen

Tipps zur FrĂŒherkennung von Brustkrebs

24.12.2014

Gibt es vorbeugende Maßnahmen gegen Brustkrebs?

Gegen das Auftreten von Brustkrebs gibt es leider keine wirklich wirksamen Mittel, wie z.B. Nichtrauchen, um Lungenkrebs drastisch zu vermindern. Ausnahme ist die prophylaktische beidseitige Brustentfernung in speziell gelagerten FĂ€llen (siehe z.B. Angelina Jolie). Etwa ab dem 40. Lebensjahr steigt die Neuerkrankungsrate an Brustkrebs auf knapp 3 von 1000 Frauen pro Jahr an, und bleibt dann lebenslang auf diesem Niveau. Dieses fĂŒr eine Krebserkrankung hohe Risiko kann man nur in geringem Maße vermindern, in jungen Jahren durch lĂ€ngeres Stillen, in gereifterem Alter durch Verzicht auf weibliche Hormone gegen Wechseljahrbeschwerden, Vermeidung von Übergewicht und viel Bewegung; letztere Maßnahmen wirken sich auch gĂŒnstig aus bei anderen Krebsarten und natĂŒrlich bei Herz- und Kreislauferkrankungen.
Da der Brustkrebs also hĂ€ufig und schicksalhaft auftritt, bleibt nur die FrĂŒherkennung, um ihn – wenn er denn schon auftritt – möglichst erfolgreich zu behandeln:

Welche Methode zur FrĂŒherkennung ist zu empfehlen?

Die „perfekte“ Methode gibt es leider nicht, das gilt fĂŒr alle Methoden, die Mammographie, den Ultraschall und die Tastuntersuchung, aber auch fĂŒr die Kernspintomographie/MR-Mammographie. Am besten durch große bevölkerungsbezogene Studien (vor allem in den Niederlanden, Großbritannien, Norwegen und Schweden) gesichert ist die FrĂŒherkennung durch die Mammographie, das „Mammographie Screening“. Durch das Screening könnten in der GrĂ¶ĂŸenordnung so viele Frauen vor dem Tod an Brustkrebs gerettet werden, wie es in der Bundesrepublik Verkehrstote gibt! Ab 2018 werden auch die tatsĂ€chlichen Zahlen aus dem deutschen Mammographie-Screening-Programm vorliegen, so dass dann der Expertenstreit ĂŒber die erzielbaren Effekte beendet sein dĂŒrfte. Bereits heute haben die Teilnehmerinnen am Screening-Programm gĂŒnstigere Tumorstadien als Nicht-Teilnehmerinnen und profitieren hĂ€ufiger von schonenderen Therapien, wie brusterhaltende Operationen, weniger Lymphknotenentfernungen und weniger Chemotherapien. Im frĂŒhen Stadium I unterscheidet sich die Lebenserwartung nicht von der gleichaltriger Frauen ohne Brustkrebs, d.h. diese Frauen sind definitiv geheilt.

Wer sollte sich untersuchen lassen?

Alle Frauen ab 50 Jahren. In diesem Alter beginnt auch das qualitĂ€tsgesicherte Mammographie-Screening-Programm mit einer automatischer zweijĂ€hrlicher Einladung und bei freiwilliger Teilnahme. Da der Brustkrebs aber im Alter zwischen 40 und 50 Jahren deutlich hĂ€ufiger wird, und im Extremfall schon ab 20 auftreten kann (wie selten auch bei MĂ€nnern!) sollten Sie sich ĂŒber Ihre individuellen Risikofaktoren klar werden, sich informieren und beraten lassen, z.B. bei Ihrem Frauenarzt, evtl. auch bei einem Humangenetiker, um ggf. Ihr „individuelles FrĂŒherkennungsschema“ festzulegen.
Daher mein persönlicher Rat: nehmen Sie regelmĂ€ĂŸig teil am Mammographie Screening (trotz möglicher Nachteile, s.u.), lassen Sie regelmĂ€ĂŸig eine Ultraschall-Untersuchung durchfĂŒhren, insbesondere wenn Sie – anlagebedingt – eine hohe Brustdichte (ACR-Grade 3 und 4) haben (auch wenn die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten meist nicht ĂŒbernehmen), und gehen Sie regelmĂ€ĂŸig zur Untersuchung zu Ihrem Frauenarzt/FrauenĂ€rztin, insbesondere, wenn Sie VerĂ€nderungen an Ihrer Brust bemerkt haben. Manchmal kommt man erst durch die Kombination der Verfahren dem frĂŒhen Krebs auf die Spur.

Gibt es Nachteile der FrĂŒherkennung?

Ja, grundsĂ€tzlich gibt es bei jeder Art der FrĂŒherkennung auch Nachteile, die man bedenken muss und minimieren sollte. Am hĂ€ufigsten genannt werden der „falsche Alarm“ und die Möglichkeit der „Überdiagnose“. Im Screening werden von 100 untersuchten Frauen etwa 5 nochmals einbestellt, um einen korrekten, „richtigen“, aber unklaren Befund mit weiteren Methoden abzuklĂ€ren.
Auch der Begriff „Überdiagnose“ ist sehr unglĂŒcklich gewĂ€hlt, da ein Laie befĂŒrchtet, dass Diagnosen gestellt werden, die es gar nicht gibt oder gravierender sind als sonst anzunehmen; beides stimmt aber nicht! Die „Überdiagnose“ gibt eine statistische Wahrscheinlichkeit an, dass die Krankheit ohne FrĂŒherkennung zu Lebzeiten der Frau ihr keine Beschwerden gemacht hĂ€tte, sie also an etwas anderem als Brustkrebs verstorben ist. Beispiel: wenn im Screening eine Brustkrebs entdeckt – und auch erfolgreich behandelt – wird, und diese Frau stirbt einen Monat spĂ€ter an einem Herzinfarkt, dann ist dieser Brustkrebs eine „Überdiagnose“, obwohl die Diagnose völlig korrekt ist, das Stadium richtig und die Erkrankung potentiell lebensbedrohlich war.
Die beiden o.g. Problematiken sind prinzipiell nicht zu vermeiden und gelten fĂŒr jede Art der FrĂŒherkennung, also auch mit anderen Methoden und bei anderen Erkrankungen.

Wenn Sie Bedenken wegen der Nachteile haben: informieren Sie sich aus seriösen Quellen! Leider kann gerade im Internet niemand daran gehindert werden, auch den grĂ¶ĂŸten Unsinn „zu posten“. Gute und reichhaltige Quellen sind z.B. der Krebsinformationsdienst am DKFZ Heidelberg: www.krebsinformationsdienst.de , Tel. 0800 – 420 30 40, oder die Seite: www.mammo-programm.de, die viele gut verstĂ€ndliche Informationen bereit hĂ€lt. Informieren Sie sich und entscheiden Sie fĂŒr sich!

WĂŒrden Sie das Mammographie Screening auch Ihrer eigenen Frau empfehlen?

Ja, das habe ich bereits. Sie nimmt regelmĂ€ĂŸig teil.